In unserem Leben prasseln permanent Reize auf uns ein. Es gibt Reize in unserer Umwelt, die wir sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen, aber auch Reize in unserem Körper.

Reize, die unter einer individuellen Schwelle liegen, gelangen nicht in unser Bewusstsein und bleiben uns dadurch verborgen. Sie können sich das ganze wie einen Eisberg vorstellen. Das, was über der Wasseroberfläche zu sehen ist, sind die Reize, die es in unser Bewusstsein geschafft haben. Aber unter der Wasseroberfläche liegt noch sehr viel mehr. Reizschwelle Coaching AchtsamkeitAll die Reize, die das Gehirn von unserem Bewusstsein fern hält, um es nicht mit Dingen zu belasten, die für unser Leben und Überleben nicht notwendig sind. Diese Reizschwelle schützt uns also davor, das Gehirn zu überlasten.

In unserer modernen Zeit sind visuelle und akustische Reize quasi omnipräsent. Die Stadt ist voll mit Leuchtreklamen, Bildschirmen und Infotafeln, die blinken oder Geräusche machen. Zu allem Übel ist auch unser Handy immer dabei, was dazu führt, dass unser Gehirn kontinuierlich in hohem Maße Reizen ausgesetzt ist. Das Gehirn beginnt also, die innere Reizschwelle immer höher zu setzten, um nicht permanent mit Eindrücken überflutet zu werden. Es hält die meisten der Reize für zu unwichtig, um sie überhaupt in unser Bewusstsein vordringen zu lassen. Dabei gehen leider auch Wahrnehmungen verloren, die eigentlich wichtig für uns sein könnten.

Zum Beispiel nehmen wir weniger wahr, was in uns vor sich geht. Was fühle ich gerade? Empfinde ich Freude, Angst, Traurigkeit, Wut oder Scham?

Spüre ich auch körperliche Reaktionen wie Entspannung oder Anspannung, die auf diese Gefühle zurückzuführen sind? Merke ich, wie schnell mein Puls geht, wie schnell die Atmung und ob meine Gedanken sprunghaft oder fokussiert sind?

Auch wie wir unser Gegenüber wahrnehmen kann darunter leiden. Welche Mimik zeigt mein Gesprächspartner? Welche Körperhaltung nimmt er im Gespräch ein? Welche Augenfarbe hat er?

Sowohl die Eigenbeobachtung, als auch die Beobachtung der Umwelt können wichtige Informationen geben, die das Zusammenleben mit sich selbst, aber auch mit anderen Maßgeblich beeinflussen.

Wenn ich gar nicht wahrnehme, dass ich gerade unsicher bin, kann ich auch eine eventuelle körperliche Reaktion nicht einordnen. Und spüre ich überhaupt, dass mein Körper auf etwas reagiert?

Auch unser Interesse bezüglich eines Themas beeinflusst, ob und wie wir Dinge wahrnehmen. Ein hohes Interesse suggeriert dem Gehirn, dass es sich wohl um etwas wichtiges handeln muss. Das heißt, wenn mich etwas nicht interessiert, ist mein Gehirn auch nicht so aufmerksam, wie es sein könnte. Viele kennen das noch aus dem Mathematikunterricht…

Wir sind in der Lage, unsere Reizschwelle zu verändern. Durch intensives und fokussiertes Beobachten unseres Körpers und unserer Umwelt, können wir unser Gehirn dazu bringen, sich dieser Dinge bewusster zu werden. Sich intensiver mit sich selbst, aber auch mit anderen zu beschäftigen.

 

Dazu folgende Übung:

Schalten Sie alle Reize ab, die Sie abschalten können. Dazu gehört der Fernseher, das Radio und vor allem das Handy.

Nehmen Sie die Ruhe bewusst wahr. Und vor allem, welche Geräusche es dennoch gibt. Hören Sie Straßenlärm? Hören Sie das Ticken einer Uhr? Das zwitschern eines Vogels?

Dann konzentrieren Sie sich auf sich. Welche Gefühle sind da in Ihnen? Sind Sie besonders angespannt oder locker? Scannen Sie Ihren ganzen Körper einmal von oben bis unten und machen Sie sich so viel wie möglich bewusst. Wie geht Ihre Atmung?

Wenn Sie das getan haben, begeben Sie sich an einen öffentlichen Platz (Ubahn, Fußgängerzone). Beobachten Sie Ihre Mitmenschen, welchen Gesichtsausdruck haben sie, welche Haltung. Versuchen Sie sich einzufühlen. Was könnte der Mensch dort gerade denken? Wohin ist er wohl unterwegs? Und woran sehen Sie das? Zu guter Letzt überlegen Sie, was das mit Ihnen macht? Macht Sie der Gesichtsausdruck betroffen? Welches Gefühl kommt bei Ihnen, wenn Sie einen lachenden Menschen sehen, oder streitende Kinder?

Um sich Ihrer Selbst noch bewusster zu werden empfehlen wir Ihnen die geführten Meditationen sowie die Achtsamkeitsübungen in unserem Lernbereich.

 

Geschrieben von Karolin Gosda, März 2019